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Mutationen chromosomaler DNA, und wie man sie beseitigen kannEs gibt zwei Sorten von Schäden, die sich mit dem Alter auf unseren Chromosomen anhäufen: Mutationen und Epimutationen. Mutationen sind Veränderungen der Basensequenz der DNA und Epimutationen sind Veränderungen der "Dekorationen" dieser DNA, die kontrollieren, wieviel Protein von ihr hergestellt wird. Zum Glück brauchen wir diese beiden Phänomene nicht getrennt zu behandeln, weil wir sie beide auf die gleiche Weise beseitigen können. Auch in diesem Teilgebiet der Alterswissenschaften hat die Evolution den wirklich kniffligen Teil der Arbeit für uns übernommen. Wir haben eine enorme Menge DNA, und es ist unvorstellbar kompliziert, sie zu warten und ihre Funktionsfähigkeit sicherzustellen. Aber es war evolutionär vorteilhaft und daher hat die Evolution die nötigen Techniken für uns entwickelt. Ein besonders glücklicher Umstand ist dabei folgender: Das Hauptproblem bei der DNA-Wartung ist es, Vorsorge zu treffen, dass der Organismus nicht an Krebs stirbt. (Jedenfalls seit es Wirbeltiere gibt) Denn Krebs kann bereits tödlich sein, wenn nur eine einzige Zelle die falschen Mutationen oder Epimutationen durchmacht, während Mutationen in Genen, die nichts mit Krebs zu tun haben, harmlos sind, solange sie in den Zellen eines Gewebeverbands nicht sehr häufig werden. Was letztere Gene angeht haben wir also besonderes Glück: Sie werden bereits viel besser gewartet, als es auch in einer sehr langen Lebensspanne nötig ist. [Anmerkung: Das war ein bischen zu sehr vereinfacht, da DNA Schäden und Mutationen vielleicht auch einen wichtigen Beitrag zu anderen SENS-Problemen leisten, nämlich Zellerschöpfung und Zelltoxizität. Das ist erwähnenswert, weil Zellen vorbeugend auf DNA-Schäden reagieren können, indem sie Selbstmord begehen oder in einen seneszenten, nicht teilungsfähigen Zustand übergehen. Dadurch würde verhindert, dass sie sich zu Krebszellen entwickeln. Diese Spezialfälle sollen uns hier aber nicht weiter stören, weil sie in den entsprechenden Teilgebieten des SENS Ansatzes behandelt werden.] Das bedeutet: Nur um zu überleben müssen wir chromosomale Mutationen nicht wirklich reparieren. Alles was wir brauchen ist ein sehr, sehr gutes Krebsheilmittel. Mein Lieblingskrebsheilmittel (das Thema der dritten SENS Besprechung) heisst WILT, für Whole-body Interdiction of Lengthening of Telomeres. (Ganzkörperunterdrückung der Telomerverlängerung)) Dieser Krebsheilungsansatz ist sehr ergeizig, aber möglicherweise viel vollständiger und langanhaltender als alles was zur Zeit verfügbar ist oder entwickelt wird: Es ist die totale Eliminierung der Gene für Telomerase und ALT (alternative lengthening of telomeres (Alternative Telomerverlängerung)) aus allen mitotischen Zellen. Das ist besser als medikamentenbasierte Telomerasehemmung, weil die Krebszelle nicht mutieren kann, um Resistenzen gegen die Therapie zu entwickeln -- Sie müsste ein ganzes Enzym, Telomerase, aus dem Nichts erschaffen. Wenn man das zum ersten Mal hört, klingt die Idee natürlich verrückt, aber es sollte eigentlich möglich sein, weil die Technologie um Stamzellen des Blutes und der Eingeweide zu regenerieren in Mäusen bereits existiert, und die Haut sollte auch nicht allzu knifflig werden. Die Telomerreserve der Stammzellen reicht nach der Geburt für ungefär zehn Jahre. Das kann man aus dem Alter schließen, bei dem Dyskeratosys Congenita erste Symptome zeigt. Das ist eine Krankheit, bei der die Telomere nicht richtig verlängert werden. Wenn wir also alle zehn Jahre alle unsere Stammzellpopulationen mit neuen Zellen auffrischen, die keine eigenen Telomerase- und ALT Gene haben, könnten wir die entsprechenden Gewebe theoretisch beliebig lange erhalten, während wir verhindern dass jeglicher Krebs ein lebensbedrohliches Stadium erreicht. Zellen die wir bereits im Körper haben müssten entweder abgetötet werden, oder ihre Telomerase- und ALT Gene müssten in situ mutiert werden. Beide Ansätze sind, wiederum, in Mäusen schon nahezu machbar. Vorträge zu diesem Thema auf der IABG 10 Konferenz: Aubrey de Grey's Publikationen zu diesem Thema | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||